Digitalisierung weltweit Digital Divide zeigt sich am unterschiedlichen Internetzugang weltweit

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Der Paritätische Gesamtverband 

Digitale Unterschiede …

Seit dem Jahr 2018 hat erstmals etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Zugang zum Internet. Gleichzeitig bleiben rund 3,7 Milliarden Menschen weiterhin offline[1]. Wie in Deutschland sind auch im globalen Kontext sozioökonomische Ungleichheiten in Bezug auf fehlenden Internetzugang und verschiedene IKT-Nutzungskompetenzen erkennbar; diese sind allerdings ungleich tiefer.

… zwischen Individuen

In Bezug auf digitale Klüfte zwischen Individuen weist die aktuelle Studie „The Great Digital Divide“ des Capgemini Research Institute darauf hin, dass 69 Prozent der Menschen, die keinen Online-Zugang haben, in ökonomischer Armut leben.[2] Über die Hälfte der in der Studie befragten 22- bis 36-Jährigen ohne Internetzugang gaben an, dass die Kosten für Endgerät oder Internetanschluss der Grund dafür seien, dass sie noch nie das Internet genutzt haben. Weitere Gründe seien die Komplexität der Nutzung und ein auf Berührungsängsten basierendes mangelndes Interesse. Letztere Aspekte seien insbesondere bei den Offliner_innen ausgeprägt, die über 60 Jahre alt (65 %) und weiblich sind (54 %).

… und zwischen Ländern

Auch in Bezug auf den Digital Divide zwischen nationalen Volkswirtschaften können beachtliche Ungleichgewichte festgestellt werden. Der von der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) veröffentlichte „Digital Economy Report 2019“ führt aus, dass der digitale Fortschritt in Rekordzeit zu enormem Reichtum geführt hat. Dieser Reichtum konzentriert sich jedoch stark auf eine kleine Anzahl von Ländern, Unternehmen und Einzelpersonen.[3] Bezüglich der Möglichkeiten, vom digitalen Wandel zu profitieren, hinkt die restliche Welt – insbesondere viele afrikanische und lateinamerikanische Länder – beträchtlich hinterher.

Auch auf europäischer Ebene können Tendenzen der digitalen Spaltung beobachtet werden. Innerhalb der EU besitzen 78 Prozent der Haushalte einen Breitband-Internetanschluss – damit sind die Länder im internationalen Vergleich vorne. Gleichzeitig besteht aber hinsichtlich der Nutzung und Verfügbarkeit neuer Technologien ein Nord-Süd-Gefälle. Finnland, Schweden, Dänemark und die Niederlande führen hierbei. Bulgarien, Griechenland, Rumänien und Italien liegen hinten, während sich Deutschland im oberen Mittelfeld befindet[4].

Entwicklungen der internationalen digitalen Kluft werden sich wahrscheinlich fortsetzen und weiter zu wachsender Ungleichheit beitragen, betont UN-Generalsekretär António Guterres. Er fordert:

Wir müssen daran arbeiten, die digitale Kluft, durch die mehr als die Hälfte der Menschheit beschränkten oder überhaupt keinen Zugang zum Internet besitzt, zu schließen. Inklusion ist essenziell, um eine digitale Wirtschaft zu errichten, die allen dient. [5]

Quelle: UNCTAD (2019): Digital Divide in Least Developed Countries. Veröffentlicht auf dem YouTube-Kanal „UNCTADOnline“; weitere Informationen zur Studie.

In vielen Staaten wird der Zugang zum Internet oder bestimmten Inhalten gezielt eingeschränkt

Doch Zugang zum Internet alleine bedeutet noch nicht gleich Zugang zu allen Inhalten. Zur Beurteilung des Digital Divide muss auch die Einschränkung von Onlinediensten und -funktionen oder die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Aktivitäten im Netz betrachtet werden. Diese bestehen aktuell in vielen Ländern, mit der Folge, dass Nutzer_innen nur auf einen Bruchteil des Internets und der damit einhergehenden Möglichkeiten zugreifen können.

Die Studie „Freedom On The Net“ analysiert jährlich die Internetfreiheit von 65 Ländern. 2020 leben demzufolge 56 Prozent der Internetnutzer_innen in Staaten, in denen politische, soziale oder religiöse Inhalte blockiert wurden. 64 Prozent leben in Staaten, in denen Bürger_innen für ihre Onlineaktivitäten zu diesen Themen eingesperrt oder getötet wurden, und 47 Prozent leben in Ländern, in welchen die Regierung aus politischen Gründen den Internetzugang teilweise oder ganz verhinderte. In nur 15 der 65 Länder beurteilt die Studie das Internet als frei, darunter beispielsweise Frankreich, Italien, Deutschland, Großbritannien, Island und Estland sowie Kanada, die USA oder Japan. China hingegen befindet sich seit 6 Jahren auf dem letzten Platz hinsichtlich der Internetfreiheit.[6]

Eingeschränkte Onlinedienste verhindern nicht nur den Zugang zu nützlichen Möglichkeiten wie beispielsweise digitalen Bildungsangeboten und damit den Erwerb diesbezüglicher Kompetenzen, sondern verwehren Menschen auch eine freie Meinungsbildung. Gleichzeitig sind sie oft diskriminierend für Minderheiten oder bestimmte Bevölkerungsgruppen. Maßnahmen der Internetzensur sollten weltweit schnellstmöglich verhindert werden, sodass jede_r die Vorteile der Digitalisierung gleichberechtigt nutzen kann.

Nachhaltige Entwicklung durch Digitalisierung

Die Relevanz der Bekämpfung des Digital Divide zeigt sich auch in den sogenannten Sustainable Development Goals (SDG). Darunter sind 17 Ziele der UN zu verstehen, die explizit zur Sicherung nachhaltiger Entwicklungen auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene beitragen sollen. Die SDGs sind seit 2016 und bis 2030 aktiv und erwähnen explizit Informations- und Kommunikationstechnologien in mehreren Unterzielen. IKT soll zum Erreichen von Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, verbesserter Infrastruktur und Industrialisierung sowie zum Schließen globaler Partnerschaften beitragen. Gleichzeitig steckt großes Potenzial in IKT, durch deren kreative und innovative Nutzung weitere Nachhaltigkeitsziele effizienter zu erreichen. Konkrete Beispiele dafür sind die oben bereits erwähnten Möglichkeiten zu einer besseren Gesundheitsversorgung durch Telemedizin und Ferndiagnostik, besserer Zugang zu Bildung durch E-Learning sowie verbesserte Beschäftigungsmöglichkeiten für benachteiligte Bevölkerungsgruppen durch Telearbeit.

Mind the (digital) Gap!

Generell ist das Bewusstsein für weltweite digitale Klüfte eine wichtige Voraussetzung für das Verständnis von globalen Ungleichheiten. Jugendliche und junge Erwachsen werden künftig einen wichtigen Anteil daran haben, diesen Ungleichheiten beizukommen. Hierfür werden kreative Ideen, Visionen und Gestaltungsmut benötigt.

Workshop-Konzept

Ziel des Workshops ist es, zu der Auseinandersetzung und Sensibilisierung mit dem Thema Digital Divide im globalen Kontext beizutragen. Dabei soll deutlich werden, wie stark digitale Klüfte zwischen verschiedenen Ländern ausgeprägt sind und in welchem Umfang das  die Entwicklungschancen von Ländern und Menschen hemmen kann. Es soll diskutiert werden, warum die Schließung der digitalen Kluft ein elementarer Bestandteil nachhaltiger Entwicklung ist. Der Workshop wird eingeleitet durch ein thematisch passendes Warmup, das die Teilnehmenden zu neuen Erkenntnissen zu globalen Unterschieden in Bezug auf Digitalität führt. Kern des Workshops ist die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit den verschiedenen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals). Es wird auf existierende digitale Klüfte und digitale Chancen zur Erreichung dieser Ziele Bezug genommen. Als Ergebnis des Workshops werden konkrete Lösungsideen gesammelt bzw. entwickelt. 

Durchführungshinweise

Dauer:
3,5–4,5 Stunden (je nach Umfang und digitaler oder analoger Ausgestaltung der Umsetzungsphase) 
Gruppengröße:
5–20  
Altersgruppen:
Ab ca. 16 Jahren
Vorbereitung:
Zur ausführlichen Vorbereitung bedarf es ca. 3–4 Stunden Einarbeitung in den Ablauf, die Materialien und die Tools. Die Einarbeitungszeit ins Thema hängt vom Vorwissen der Moderation ab. 
Varianten:
Präsenz-Workshop: Diese Variante ist vermutlich die am häufigsten gewählte. Hier kommen Moderation und Teilnehmende in einem Raum zusammen und arbeiten in einem klassischen Workshopformat, welches jedoch durchaus von digitalen Tools gestützt werden kann.
Digitaler Workshop: Es ist auch eine ortsunabhängige, rein digitale Durchführung mittels Webinar- oder Webkonferenz-Software möglich. Hinweise zur digitalen Umsetzung, zu den damit verbundenen Herausforderungen und geeigneten Tools enthält der Service-Bereich. Der Ablaufplan orientiert sich im Folgenden an einer Durchführung als Präsenz-Workshop.

Ausstattung & Material

Der Workshop kann je nach Interesse, Vorkenntnis der Moderation und der Teilnehmenden sowie Zielsetzung eher klassisch in analoger Form oder digital mit Online-Tools (zum Beispiel für Abstimmungen, kollaboratives Arbeiten, Wissensaustausch und Dokumentation) durchgeführt werden. Dazu gibt es innerhalb des Ablaufplans jeweils Hinweise unter dem Stichwort digitale Variante. Weiterführende Informationen zu den Tools finden Sie im Service-Bereich.

Empfohlen wird ein Mix aus analogen und digitalen Methoden, sodass methodische Abwechslung entsteht. Eine digitale Dokumentation der Arbeitsergebnisse ist insbesondere dann besonders hilfreich, wenn im Nachgang dieselben oder andere Teilnehmende noch weiter an den Ergebnissen arbeiten sollen oder eine Veröffentlichung der Ergebnisse geplant ist.

Analoge Ausstattung

  • Flipchart/Pinnwand 

  • Karteikarten

  • Klebezettel 

  • Stifte 

  • Kreativmaterialien zum Basteln und Gestalten, z. B. Zeitschriften, Karton, Farben, Scheren, Klebstoff 

  • Optional: Belohnung, z. B. Süßigkeiten 

  • Optional für multimediale Ausarbeitung: Kostüme und Accessoires 

Digitale Ausstattung

  • Internetverbindung

  • Beamer/digitales Anzeigegerät

  • Lautsprecher 

  • Digitale Endgeräte 

  • Kopfhörer

  • Optional für multimediale Ausarbeitung: Kamera, Mikrofon 

Online-Tools

Optional für multimediale Ausarbeitung: 

  • Präsentationstool (PowerPoint, LibreOffice, Prezi) 
  • Tools für Film/Audio