Digitale Teilhabe in Deutschland
DIE DIGITALISIERUNG DER GESELLSCHAFT UND DAS RECHT AUF INTERNET
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Der Paritätische Gesamtverband
Wer ist online, wer bleibt offline?
In Deutschland sind mittlerweile 94 Prozent der Bevölkerung online. Das ergibt die Gesellschaftsstudie D21-Digital-Index von 2024/ 2025[1], die seit 2001 ein jährliches Lagebild zur Digitalisierung in Deutschland zeichnet. Die Studie betrachtet dabei die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Demnach sind aber auch sechs Prozent, oder rund 4,2 Millionen Menschen, ohne Zugang zum Internet. Je nachdem, ob Einkommen, Bildung, Alter, Geschlecht oder ein anderes Merkmal betrachtet wird, lässt sich der Digital Divide zwischen den Gruppen oder innerhalb dieser erkennen.
Was sind die Digital Divider?
Vor allem der Bildungshintergrund beeinflusst den Zugang zum Internet. Betrachtet man die drei Gruppen der formal höher gebildeten, mittelmäßig gebildeten oder niedriger gebildeten Personen ab 14 Jahren, kommt man zu folgenden Ergebnissen:
- Formal höher gebildet: 99 Prozent nutzen das Internet
- Formal mittelmäßig gebildet: 97 Prozent nutzen das Internet
- Formal niedrig gebildet: 83 Prozent nutzen das Internet
Die Zahlen zur mobilen Nutzung unterscheiden sich nur leicht:
- Formal höher gebildet: 93 Prozent nutzen mobiles Internet
- Formal mittelmäßig gebildet: 89 Prozent nutzen mobiles Internet
- Formal niedrig gebildet: 71 Prozent nutzen mobiles Internet
Zudem kommt die Studie zu folgender Erkenntnis:
Die ältere Generation tut sich oft schwer mit den Eigenlogiken des Digitalen. Es ist wie beim Lernen einer Sprache: Der Zeitaufwand, den man leisten muss, steigt mit dem Alter, während Kinder spielend lernen; und wenn man nicht am Ball bleibt, vergisst man vieles oder wird vom Entwicklungstempo abgehängt.[2]
Weitere deutliche Unterschiede sieht man bei Gruppen wie Menschen mit Migrationsbiografie, Geflüchteten und Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen. Auch das Einkommen ist ein entscheidender Grund für die digitale Kluft.
Quelle: Bertelsmann Stiftung (2017): Smart Country – Lena-Sophie Müller: Mit digitalen Kompetenzen gegen eine digitale Spaltung. Veröffentlicht auf YouTube.
Digitale Kompetenz – eine essenzielle Fähigkeit
[…] Medienkompetenz allein reicht nicht. Vertrauen und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind entscheidender.[3]
In der Altersgruppe junger Menschen zwischen 14 und 19 Jahren sind 98 Prozent online. Zwischen den 20- und 29-Jährigen sind es sogar 99 Prozent. Dennoch spielt der Digital Divide auch hier eine große Rolle, und zwar dann, wenn es um Digitalkompetenzen geht. Ein Fünftel der Schüler_innen und jungen Erwachsenen unter 20 Jahren sind nach eigenen Angaben mit der Digitalisierung überfordert. Die Mehrheit der im Zuge der D21-Studie Befragten ist sich einig, dass die Vermittlung dieser Digitalkompetenzen in der Schule zu kurz kommt. Viele fühlen sich im internationalen Vergleich abgehängt. Diese Defizite bei der Vermittlung von Fähigkeiten im digitalen Bereich können problematisch im Hinblick auf politische Beteiligungsprozesse auf digitaler Ebene sein. Wie bereits erwähnt findet Aktivismus heutzutage zu großen Teilen online statt, zumindest für die jüngere Bevölkerung: Sich über soziale Medien politisch oder gesellschaftlich einzubringen und zu vernetzen, wird von der Altersgruppe der 14–19-Jährigen als deutlich relevanter (70 Prozent) als für die Bevölkerung insgesamt (40 Prozent) befunden.
All diese Zahlen zeigen: Digitale Klüfte bestehen auch in Deutschland, und sie spiegeln sich in unterschiedlichen Aspekten wider. Der reine Zugang zu IKT bedingt noch keinen kompetenten und selbstbestimmten Umgang mit ihr. Die Möglichkeit der aktiven Gesellschaftsbeteiligung darf nicht auf dem Spiel stehen, indem Bürger_innen zu Abgehängten oder Verlierer_innen der Digitalisierung werden. Um unsere Gesellschaft inklusiv gestalten zu können, bedarf es einer frühzeitigen Sensibilisierung für das Thema Digital Divide.
Quelle: visionYOU GmbH (2020): Digital Divide in Deutschland. Poduziert im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung, hochgeladen auf YouTube. Texte aus der DIVSI-Studie (2019): Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?
Workshop-Konzept
Ziel des Workshops ist es, zu der Auseinandersetzung mit und Sensibilisierung für die digitale Kluft in Deutschland beizutragen. Dabei sollen neue Perspektiven zum Grad der Digitalisierung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen erlangt werden. Der Workshop wird eingeleitet durch ein thematisch passendes Warmup, das die Teilnehmenden zu neuen Erkenntnissen zu der Digitalität der deutschen Gesellschaft führt. Kern des Workshops ist die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit den Herausforderungen und Bedürfnissen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und ihren Einschränkungen bei dem Zugang zu digitalen Medien. Als Ergebnis des Workshops bilden sich die Teilnehmenden selbst eine Meinung zu Vor- und Nachteilen von (fehlender) Digitalität und identifizierten damit verbundene Probleme. Als Beitrag zu deren Lösung werden konkrete, den digitalen Zugang unterstützende Produkte gesammelt bzw. entwickelt.
Durchführungshinweise
- Dauer:
- 2,5–3 Stunden ohne Pausen, bei stringenter Moderation und Wahl der Variante A; kann auf ca. 4 Stunden ausgeweitet werden
- Gruppengröße:
- 5–30 Personen
Bei mehr als 20 Personen sollte auf jeden Fall eine zweite Moderation eingeplant werden und die Durchführungsdauer wird sich um ca. 25 % erhöhen, da Gruppenprozesse in der Regel länger dauern. - Altersgruppen:
- Ab ca. 16 Jahre
- Vorbereitung:
- Zur ausführlichen Vorbereitung bedarf es ca. 3–4 Stunden Einarbeitung in den Ablauf, die Materialien und die Tools. Die Einarbeitungszeit ins Thema hängt vom Vorwissen der Moderation ab.
- Varianten:
- Präsenz-Workshop: Diese Variante ist vermutlich die am häufigsten gewählte. Hier kommen Moderation und Teilnehmende in einem Raum zusammen und arbeiten in einem klassischen Workshopformat, welches jedoch durchaus von digitalen Tools gestützt werden kann.
Digitaler Workshop: Es ist auch eine ortsunabhängige, rein digitale Durchführung mittels Webinar- oder Webkonferenz-Software möglich. Hinweise zur digitalen Umsetzung, den damit verbundenen Herausforderungen und geeigneten Tools enthält der Service-Bereich. Der Ablaufplan orientiert sich im Folgenden an einer Durchführung als Präsenz-Workshop.
Für Spiel-Variante 1:
Für Spiel-Variante 2:
Optional für multimediale Ausarbeitung:
Ausstattung & Material
Der Workshop kann je nach Interesse, Vorkenntnis der Moderation und der Teilnehmenden sowie Zielsetzung eher klassisch in analoger Form oder digital mit Online-Tools (zum Beispiel für Abstimmungen, kollaboratives Arbeiten, Wissensaustausch und Dokumentation) durchgeführt werden. Dazu gibt es innerhalb des Ablaufplans jeweils Hinweise unter dem Stichwort digitale Variante. Weiterführende Informationen zu den Tools finden Sie im Service-Bereich.
Empfohlen wird ein Mix aus analogen und digitalen Methoden, sodass methodische Abwechslung entsteht. Eine digitale Dokumentation der Arbeitsergebnisse ist insbesondere dann besonders hilfreich, wenn im Nachgang dieselben oder andere Teilnehmer_innen noch weiter an den Ergebnissen arbeiten sollen oder eine Veröffentlichung der Ergebnisse geplant ist.
Sofern digitale Tools eingesetzt werden, muss eine ausreichend performante Internetverbindung für alle Teilnehmenden zur Verfügung stehen. Darüber hinaus müssen alle Teilnehmenden ein digitales Endgerät (Laptop, Tablet oder Smartphone) nutzen können. In der Regel sollte hier auf das Konzept bring your own device (BYOD) gesetzt werden, das heißt, alle bringen ihr persönliches Endgerät mit. Jedoch sollten für Teilnehmende ohne eigenes Endgerät einige Leihgeräte zur Verfügung stehen.
Analoge Ausstattung
- Flipchart
- Karteikarten
- Pinnwand
- Stifte
Optional:
- Preise (z. B. Süßigkeiten)
- Ball
Optional für Spiel-Variante 2:
- Augenbinden/Schals
Digitale Ausstattung
- Internetverbindung
- Beamer/ digitales Anzeigegerät
- Lautsprecher
- Digitale Endgeräte
- Timer
Optional für multimediale Ausarbeitung:
- Kamera
- Mikrofon
Online-Tools
Optional für multimediale Ausarbeitung:
- Präsentationstool (PowerPoint, LibreOffice, Prezi)
- Tools für Film/Audio
Quellen
- [1] Initiative D21: https://initiatived21.de/uploads/03_Studien-Publikationen/D21-Digital-Index/2024-25/D21_Digital_Index_2024_2025_final.pdf.
- [2] Ebd., S. 14.
- [3] Ebd., S. 35.