Digitale Teilhabe in Deutschland Die Digitalisierung der Gesellschaft und das Recht auf Internet

Die Inhalte dieser Seite sind entstanden in Zusammenarbeit mit: 
Der Paritätische Gesamtverband 

Wer ist online, wer bleibt offline?

In Deutschland sind mittlerweile 86 Prozent der Bevölkerung online. Das besagt das Ergebnis der Gesellschaftsstudie D21-Digital-Index, welche seit 2001 ein jährliches Lagebild zur Digitalisierung in Deutschland zeichnet.[1] Die Studie betrachtet dabei die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Demnach sind aber auch 14 Prozent, oder rund 9 Millionen Menschen, ohne Zugang zum Internet. Je nachdem, ob Einkommen, Bildung, Alter, Geschlecht oder ein anderes Merkmal betrachtet wird, lässt sich der Digital Divide zwischen einzelnen demographischen Gruppen oder innerhalb dieser erkennen.

Was sind die Digital Divider?

Insbesondere der Bildungshintergrund beeinflusst den Zugang zum Internet. Betrachtet man die drei Gruppen der formal höher gebildeten, mittelmäßig gebildeten oder niedriger gebildeten Personen ab 14 Jahren, können folgende Ergebnisse festgestellt werden: [1]

  •       Formal höher gebildet: 97 Prozent online
  •       Formal mittelmäßig gebildet: 90 Prozent online
  •       Formale niedrig gebildet: 64 Prozent

Wird die Struktur der niedrigsten Bildungsgruppe genauer betrachtet, zeichnet sich das folgende Bild: Etwa die Hälfte der Personen in dieser Gruppe ist älter als 60 Jahre und gleichzeitig weiblich.

Zudem kommt die Studie zu folgender Erkenntnis:

Tendenziell nutzen ältere Generationen sowie Frauen und Personen mit niedriger Bildung das Internet noch immer deutlich seltener. Auch Berufstätigkeit hat weiterhin einen entscheidenden Einfluss. Zudem gilt: Je urbaner die Umgebung ist oder je mehr Personen im Haushalt leben, desto eher wird das Internet genutzt.[2]

Weitere deutliche Unterschiede im Internetnutzungsverhalten lassen sich erkennen, wenn der Fokus auf gesellschaftliche Gruppen wie Migrant_innen, Geflüchtete und Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen gelenkt wird. Auch das Einkommen ist ein entscheidender Faktor für die digitale Kluft.

Quelle: Bertelsmann Stiftung (2017): Smart Country – Lena-Sophie Müller: Mit digitalen Kompetenzen gegen eine digitale Spaltung. Veröffentlicht auf YouTube.

Digitale Kompetenz – eine essenzielle Fähigkeit

[…] online zu sein, heißt noch nicht, sich auch zielgerichtet und vor allem selbstbestimmt in der Online-Welt zu bewegen.[3]

In der Altersgruppe junger Menschen zwischen 14 und 19 Jahren sind 98 Prozent online. Zwischen den 20- und 29-Jährigen sind es sogar 99 Prozent. Dennoch spielt der Digital Divide auch hier eine große Rolle, und zwar dann, wenn es um Digitalkompetenzen geht. Ein Fünftel der Schüler_innen und jungen Erwachsenen unter 20 Jahren sind nach eigenen Angaben mit der Digitalisierung überfordert. Die Mehrheit der im Zuge der D21-Studie Befragten ist sich einig, dass die Vermittlung dieser Digitalkompetenzen in der Schule zu kurz kommt. Viele fühlen sich im internationalen Vergleich abgehängt. Diese Defizite bei der Vermittlung von Fähigkeiten im digitalen Bereich können problematisch im Hinblick auf politische Beteiligungsprozesse auf digitaler Ebene sein. Wie bereits erwähnt findet Aktivismus heutzutage zu großen Teilen online statt, zumindest für die jüngere Bevölkerung: Sich über soziale Medien politisch oder gesellschaftlich einzubringen und zu vernetzen, wird von der Altersgruppe der 14–19-Jährigen als deutlich relevanter (70 Prozent) als für die Bevölkerung insgesamt (40 Prozent) befunden. [1]

All diese Zahlen zeigen: Digitale Klüfte bestehen auch in Deutschland, und sie spiegeln sich in unterschiedlichen Aspekten wider. Der reine Zugang zu IKT bedingt noch keinen kompetenten und selbstbestimmten Umgang mit ihr. Die Möglichkeit der aktiven Gesellschaftsbeteiligung darf nicht auf dem Spiel stehen, indem Bürger_innen zu Abgehängten oder Verlierer_innen der Digitalisierung werden. Um unsere Gesellschaft inklusiv gestalten zu können, bedarf es einer frühzeitigen Sensibilisierung für das Thema Digital Divide.

Quelle: visionYOU GmbH (2020): Digital Divide in Deutschland. Poduziert im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung, hochgeladen auf YouTube. Texte aus der DIVSI Studie (2019): Beteiligung im Internet – Wer beteiligt sich wie?

Workshop-Konzept

Ziel des Workshops ist es, zu der Auseinandersetzung mit und Sensibilisierung für die digitale Kluft in Deutschland beizutragen. Dabei sollen neue Perspektiven zum Grad der Digitalisierung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen erlangt werden. Der Workshop wird eingeleitet durch ein thematisch passendes Warmup, das die Teilnehmenden zu neuen Erkenntnissen zu der Digitalität der deutschen Gesellschaft führt. Kern des Workshops ist die Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit den Herausforderungen und Bedürfnissen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen und ihren Einschränkungen bei dem Zugang zu digitalen Medien. Als Ergebnis des Workshops bilden sich die Teilnehmenden selbst eine Meinung zu Vor- und Nachteilen von (fehlender) Digitalität und identifizierten damit verbundene Probleme. Als Beitrag zu deren Lösung werden konkrete, den digitalen Zugang unterstützende Produkte gesammelt bzw. entwickelt. 

Durchführungshinweise

Dauer:
2,5–3 Stunden ohne Pausen, bei stringenter Moderation und Wahl der Variante A; kann auf ca. 4 Stunden ausgeweitet werden
Gruppengröße:
5–30 Personen 
Bei mehr als 20 Personen sollte auf jeden Fall eine zweite Moderation eingeplant werden und die Durchführungsdauer wird sich um ca. 25 % erhöhen, da Gruppenprozesse in der Regel länger dauern. 
Altersgruppen:
Ab ca. 16 Jahre 
Vorbereitung:
Zur ausführlichen Vorbereitung bedarf es ca. 3–4 Stunden Einarbeitung in den Ablauf, die Materialien und die Tools. Die Einarbeitungszeit ins Thema hängt vom Vorwissen der Moderation ab. 
Varianten:
Präsenz-Workshop: Diese Variante ist vermutlich die am häufigsten gewählte. Hier kommen Moderation und Teilnehmende in einem Raum zusammen und arbeiten in einem klassischen Workshopformat, welches jedoch durchaus von digitalen Tools gestützt werden kann.
Digitaler Workshop: Es ist auch eine ortsunabhängige, rein digitale Durchführung mittels Webinar- oder Webkonferenz-Software möglich. Hinweise zur digitalen Umsetzung, den damit verbundenen Herausforderungen und geeigneten Tools enthält der Service-Bereich. Der Ablaufplan orientiert sich im Folgenden an einer Durchführung als Präsenz-Workshop.

Ausstattung & Material

Der Workshop kann je nach Interesse, Vorkenntnis der Moderation und der Teilnehmenden sowie Zielsetzung eher klassisch in analoger Form oder digital mit Online-Tools (zum Beispiel für Abstimmungen, kollaboratives Arbeiten, Wissensaustausch und Dokumentation) durchgeführt werden. Dazu gibt es innerhalb des Ablaufplans jeweils Hinweise unter dem Stichwort digitale Variante. Weiterführende Informationen zu den Tools finden Sie im Service-Bereich.

Empfohlen wird ein Mix aus analogen und digitalen Methoden, sodass methodische Abwechslung entsteht. Eine digitale Dokumentation der Arbeitsergebnisse ist insbesondere dann besonders hilfreich, wenn im Nachgang dieselben oder andere Teilnehmer_innen noch weiter an den Ergebnissen arbeiten sollen oder eine Veröffentlichung der Ergebnisse geplant ist.

Sofern digitale Tools eingesetzt werden, muss eine ausreichend performante Internetverbindung für alle Teilnehmenden zur Verfügung stehen. Darüber hinaus müssen alle Teilnehmenden ein digitales Endgerät (Laptop, Tablet oder Smartphone) nutzen können. In der Regel sollte hier auf das Konzept bring your own device (BYOD) gesetzt werden, das heißt, alle bringen ihr persönliches Endgerät mit. Jedoch sollten für Teilnehmende ohne eigenes Endgerät einige Leihgeräte zur Verfügung stehen. 

Analoge Ausstattung

  • Flipchart 
  • Karteikarten 
  • Pinnwand 
  • Stifte 

Optional:  

  • Preise (z. B. Süßigkeiten) 
  • Ball 

Optional für Spiel-Variante 2:  

  • Augenbinden/Schals 

 

Digitale Ausstattung

  • Internetverbindung
  • Beamer/ digitales Anzeigegerät 
  • Lautsprecher 
  • Digitale Endgeräte 
  • Timer 

Optional für multimediale Ausarbeitung: 

  • Kamera 
  • Mikrofon 

 

Online-Tools

Optional für multimediale Ausarbeitung:

  • Präsentationstool (PowerPoint, LibreOffice, Prezi)
  • Tools für Film/Audio

Quellen

[1] Initiative D21: Wie Digital ist Deutschland?, 2020.

[2] Ebd., S. 15.

[3] Ebd., S. 5.